Loading...

40 Jahre Krankenhauswelt – Ein Gespräch mit Manfred Merkelbach

News

 
 

Vier Jahrzehnte Erfahrung im Gesundheitswesen, davon über 20 Jahre als Unternehmer: Manfred Merkelbach, Geschäftsführer der KIMdata GmbH, blickt auf eine außergewöhnliche Laufbahn zurück. Im Interview spricht er über seinen Einstieg, prägende Stationen und die Zukunft datengetriebener Steuerung im Krankenhaus.

Herr Merkelbach, erinnern Sie sich noch an Ihren Einstieg in die Krankenhauswelt?

Sehr gut sogar. Im März 1986 begann ich meinen Zivildienst im Controlling der Uniklinik Bonn – damals sprach man noch von Kosten- und Leistungsrechnung. Das war mein erster intensiver Kontakt mit den wirtschaftlichen Strukturen im Gesundheitswesen. Schon damals wurde mir klar, wie entscheidend Transparenz und belastbare Zahlen für die Steuerung eines Krankenhauses sind.

Wie ging es danach weiter?

Eigentlich wollte ich direkt studieren, aber da zunächst kein Studienplatz verfügbar war, blieb ich ein weiteres Jahr in Bonn – diesmal als befristeter Angestellter. Diese Zeit war rückblickend sehr wertvoll, weil ich tiefer in die Praxis eintauchen konnte.

Sie haben sich dann für ein BWL-Studium entschieden – mit engem Praxisbezug?

Genau. Von 1988 bis etwa 1994 habe ich Betriebswirtschaftslehre in Bielefeld studiert. Gleichzeitig bin ich der Praxis treu geblieben: In den Semesterferien war ich regelmäßig an der Uniklinik Bonn tätig – im Winter beim Jahresabschluss, im Sommer beim Kosten- und Leistungsnachweis. Diese Kombination aus Theorie und Praxis hat mich stark geprägt.

Wie sah Ihr Berufseinstieg aus?

1995 bin ich als Leiter Patientenmanagement ins Krankenhaus Tegernsee gegangen und später ins Controlling nach Hausham gewechselt. Dort habe ich erstmals umfassende operative Verantwortung übernommen – eine prägende Zeit.

1997 folgte der Wechsel in die freie Wirtschaft. Was hat Sie dazu bewegt?

Ich wollte meine Erfahrungen breiter einsetzen und habe beim KIS-Hersteller BOSS als Consultant für Kostenrechnung angefangen. Dadurch habe ich viele unterschiedliche Häuser kennengelernt und gesehen, wie unterschiedlich Controlling in der Praxis gelebt wird.

Wann entstand die Idee zu KIMdata?

Ende der 90er Jahre. Gemeinsam mit meinem Kompagnon habe ich 1999 begonnen, nebenberuflich an einer Business-Intelligence-Lösung zu arbeiten. Unser Ziel war klar: Krankenhäuser sollten ihre Daten besser nutzen können, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

Daraus entstand dann die KIMdata GmbH?

Ja, 2001 haben wir KIMdata offiziell gegründet – zunächst parallel zu unseren damaligen Tätigkeiten. Ab 2004 habe ich mich vollständig auf KIMdata konzentriert. Das war ein großer Schritt, aber der richtige.

Was war Ihr Antrieb als Unternehmer?

Der Wunsch, Transparenz zu schaffen und Controlling im Krankenhaus wirklich nutzbar zu machen. Daten waren schon damals ein Schlüssel – heute sind sie es mehr denn je. Mit KIMdata wollten wir Lösungen schaffen, die nicht nur Zahlen liefern, sondern echte Steuerungsimpulse geben.

Wie hat sich KIMdata in den ersten Jahren entwickelt?

Die Anfangszeit war stark von Aufbauarbeit geprägt. Wir haben eng mit unseren ersten Kunden zusammengearbeitet und unsere Lösungen kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei konnten wir unsere Erfahrungen aus dem Krankenhausumfeld gezielt einbringen und in praxisnahe Lösungen überführen.

Was waren wichtige Meilensteine in der Weiterentwicklung?

Ein entscheidender Schritt war die konsequente Ausrichtung auf Business Intelligence im Gesundheitswesen. Wir haben unsere Lösungen immer stärker darauf ausgerichtet, Daten nicht nur aufzubereiten, sondern aktiv für Steuerungs- und Entscheidungsprozesse nutzbar zu machen. Gleichzeitig ist unser Kundenkreis stetig gewachsen.

Wie hat sich Ihr Leistungsportfolio im Laufe der Zeit verändert?

Unser Leistungsportfolio hat sich von ersten Ansätzen in der Kostenrechnung hin zu umfassenden BI- und Controlling-Lösungen entwickelt. Heute geht es nicht mehr nur um einzelne Auswertungen, sondern um integrierte Systeme, die unterschiedliche Datenquellen zusammenführen und eine ganzheitliche Sicht ermöglichen. Auch komplexe regulatorische Anforderungen wie PpUGV oder PPP-RL lassen sich damit effizient abbilden.

2024 haben Sie Ihr Unternehmen verkauft. Wie kam es dazu?

Nach über 20 Jahren war es wichtig, die Nachfolge frühzeitig und strukturiert zu regeln. Mit Avision haben wir einen Partner gefunden, der unsere Werte teilt und gleichzeitig neue Perspektiven eröffnet. Für unsere Kunden und Mitarbeitenden ist das die richtige Lösung.

Sie sind weiterhin als Geschäftsführer tätig – warum?

Ein sanfter Übergang ist entscheidend. Ich begleite den Prozess aktiv weiter und bringe meine Erfahrung ein. Gleichzeitig entsteht Raum für neue Impulse – eine Kombination, die ich sehr schätze.

Wenn Sie auf 40 Jahre zurückblicken – was hat sich am meisten verändert?

Ganz klar: die Rolle von Daten. Früher war Controlling oft rückblickend, heute ist es strategisch und zukunftsorientiert. Die Digitalisierung hat enorme Möglichkeiten geschaffen – aber auch die Anforderungen deutlich erhöht.

Und was ist gleich geblieben?

Der Bedarf an klaren, verständlichen Zahlen und die Verantwortung, darauf basierend gute Entscheidungen zu treffen. Am Ende geht es immer darum, das System Krankenhaus besser zu steuern.

Was treibt Sie heute noch an?

Die gleiche Neugier wie am Anfang – und die Freude daran, Dinge zu verbessern. Auch nach 40 Jahren gibt es noch viel zu tun.

 

Gemeinsam mehr erreichen

Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen unter 089 6230379-770

WordPress Lightbox