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Brauchen wir Ringdiagramme?

Ringdiagramme erfreuen sich großer Beliebtheit. Vielleicht liegt es daran, dass der Kreis seit jeher als vollkommene, harmonische Form gilt.

Mit Ringdiagrammen sollen prozentuale Anteile dargestellt werden. In diesem Beispiel geht es um die Position der Patienten nach dem sie einen Alarm aktiviert haben:

Ringdiagramme

Quelle: KU Gesundheitsmanagement, April 2016, S. 69

Ringdiagramme oder auch Donutdiagramme

Die Farben sind schön und ausgewogen. Das Diagramm ist jedoch schwer zu lesen. Warum? Unsere vorbewusste Wahrnehmung arbeitet im wesentlichen eindimensional. Wir können sehr leicht unterscheiden, wenn ein Balken höher oder länger ist als ein anderer. Knicke in Linien erkennen wir ebenfalls sehr leicht. Bei rechteckigen Formen stellen wir bedingt fest welche größer ist (bspw. in einer Treemap). Zweidimensionale Kreissegmente können wir jedoch nur schwer miteinander vergleichen. Zudem sind sie in unterschiedlichen Winkeln angeordnet. Oder können Sie adhoc entscheiden, ob mehr Patienten auf dem Bett sitzen oder vor dem Bett stehen?
Kurz gesagt: Ringdiagramme sind keine gute Visualisierung!

In der Regel gibt es keine Werteachse bzw. eine Rasterung des Kreises, die uns das Lesen erleichtern würde. Um das Problem zu lösen, werden oftmals die prozentualen Anteile in die Legende oder in die Kreissegmente integriert. Das kommt einem Offenbarungseid gleich, denn es bedeutet, dass das Diagramm nicht graphisch funktioniert.

In diesem Beispiel ist die Legende weit entfernt von den Kreissegmenten was die Lesbarkeit weiter erschwert. Das Auge muss zwischen Diagramm und Legende hin und her springen. Vermutlich nimmt sich kaum ein Betrachter die Zeit, dies zu tun.

Welcher Diagrammtyp ist besser geeignet?

Prozentuale Verteilungen können in einem vertikalen oder horizontalen Balkendiagramm als Histogramm abgebildet werden. In diesem Fall ist aufgrund der teilweise langen Beschriftungen ein horizontales Balkendiagramm zu empfehlen. Nachstehend unsere Version (erzeugt mit chefreporter):

histogramm1_blog2

Absteigend nach Bedeutung sortiert ist die Rangfolge der Attribute auf einen Blick ersichtlich. Die Beschriftungen befinden sich direkt neben der Visualisierung. Dadurch werden unterschiedliche Farben überflüssig. Die fehlenden Zwischenräume symbolisieren die Zusammengehörigkeit der Attribute.
Und: Werden mehr Patienten am Bettrand sitzend vorgefunden oder vor dem Bett stehend? Jetzt ist es einfach, nicht wahr?

In einer Online-Version des Diagramms können die %-Anteile sowie die absoluten Mengen als Tooltipp angezeigt werden. Sollen beide Zahlen ersichtlich sein, hilft nachstehende Modifikation:

histogramm2_blog2

Hier sind die Mengen auf der x-Achse abgetragen und die %-Anteile in die Beschriftungen eingefügt.

Zum Abschluss komme ich auf die Eingangsfrage zurück. Meine Antwort lautet „Nein“.